Am 04. März 2026 war Celina Keute im Rahmen des Projektes „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ zu Gast in der Aula des Schulzentrums in Emlichheim, um aus ihrem Buch „Schüsse in der Stille“ vor den Schülerinnen und Schülern der Haupt- und Realschule sowie des Gymnasiums zu lesen. Die Autorin hat in ihrem Buch die Erinnerungen ihres Urgroßvaters Hermann Kronemeyer (Jahrgang 1927) festgehalten, der am Bathorner Diek aufwuchs, also in unmittelbarer Nähe zu den Emslandlagern in Bathorn und Alexisdorf.

Das Leben der Familie Kronemeyer, die kritisch dem NS-Regime gegenüberstand, änderte sich nach der Machtübernahme Hitlers und vor allem nach dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 drastisch: Hermann musste in die Hitlerjugend, es wurden die Emslandlager Bathorn und Alexisdorf errichtet und seine Brüder wurden eingezogen. Als nach dem Kriegsausbruch die ersten Kriegsgefangenen in die Grafschaft kamen, schildert Hermann Kronemeyer, wie gut das Verhältnis zu den europäischen Kriegsgefangenen des Lagers Bathorns war, die vom Wachpersonal gemäß der Genfer Kriegsgefangenenkonvention behandelt wurden. Ganz anders wurde aufgrund der menschenverachtenden NS-Rassenideologie hingegen mit den sowjetischen Kriegsgefangenen des Lagers in Alexisdorf umgegangen. Ausgehend von der Installation „Zeugen“ als Teil der Skulpturenroute „Kunstwegen“, die sich am Kreisel des Bathorner Dieks befindet, beschrieb die Autorin in ihrer Lesung eindrücklich das Entsetzen des jungen Hermanns, als er Zeuge der Ermordung eines geflüchteten sowjetischen Kriegsgefangenen durch einen Wachmann wird, der sich unter Heideplaggen versteckt hatte.

Der Ausbruch des Krieges hatte auch Auswirkungen auf das Verhältnis zu den Niederlanden, die man in der Grenzregion besonders spürte. Ausgehend von der guten Nachbarschaft zwischen Deutschen und Niederländern vor dem Krieg, schilderte Frau Keute, wie schnell sich mit Beginn des Krieges das Verhältnis der Menschen zu Feindseligkeit und Hass verändert hatte. Ferner beschrieb sie eindrucksvoll weitere Episoden aus dem Leben Hermann Kronemeyers: den Bombenkrieg mitsamt des Abschusses eines britischen Lancaster-Bombers im Bathorner Moor, das Soldatenleben ihres 1944 zum Kriegsdienst eingezogenen damals siebzehnjährigen Urgroßvaters, dessen Situation in britischer Kriegsgefangenschaft in Zedelgem bei Brügge und was es bedeutet hat, nach dem Krieg vor dem Nichts zu stehen.

Der regionalgeschichtliche Bezug machte die Lesung für die Schülerinnen und Schüler besonders anschaulich. Dies wurde auch im zweiten Teil der Lesung deutlich, als die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen durften. Beklemmend ist der Bezug dieser Thematik zu heute, wenn man an die aktuelle Situation und speziell an den Krieg in der Ukraine denkt. Celina Keute betonte, dass die Auswirkungen eines Krieges für jeden Menschen verheerend seien und dass Krieg ganz anders ist, als er z.B. in heroisierenden Hollywoodfilmen dargestellt wird. Hermann Kronemeyer war lange Zeit als Zeitzeuge in Deutschland und anderen europäischen Ländern unterwegs, um seine Geschichte zu erzählen – dieses Anliegen wird nun von seiner Urenkelin auf beeindruckende Weise fortgesetzt. Celina Keute wünschen wir bei ihrem wichtigen Anliegen, sich für die Verständigung und Versöhnung einzusetzen, um die Beziehungen zwischen den Nationalitäten zu stärken und Brücken zu bauen, weiterhin viel Erfolg!

Vielen Dank an den „Arbeitskreis Eine Welt e.V.“ und die Samtgemeinde Emlichheim für die finanzielle Unterstützung dieser Veranstaltung.

 

Christian Kühlenborg